Notizen aus Deutsch Süd-West - Was so war (von Juli bis Dezember 2009)

In der japanischen Fernsehsendung „Nasubi“ verbrachte ein Kandidat 15 Monate nackt in einem leeren Zimmer. Alles, was er zum Leben brauchte, musste er durch die Teilnahme an Preisausschreiben gewinnen.
So was trauen sie sich mal wieder nicht beim ZDF.

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Es gibt Winter-Crocks!!! Stinkende Scheißschuhe mit Fell!

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Schöner Satz: „Ich komme aus Deutschland, aber die Leute sagen, ich sehe jünger aus.“

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Und nochmal Schönheit: Bei gut aussehenden Paaren ist es um 26% wahrscheinlicher, dass sie eine Tochter bekommen als einen Sohn.
Prüfe das nach: Die Geliebte ist wunderschön und wir haben einen Buben. Also liegt’s an mir.

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„Aber immerhin die Autobahn!“ Das letzte Argument von Altnazis bei der Verteidigung von Hitler sind seit jeher die Autobahnen.
Im Bundesstaat Missouri hält die Amerikanische Naionalsozialistische Bewegung eine halbe Meile Autobahn tadellos in Schuß. Alle drei Monate säubern sie einen Autobahnabschnitt bei East Springfield penibel. Falls die Nazis in den USA an die Macht kommen und ihr Land zugrunde richten, können sie also immerhin mit Fug und Recht sagen: „Aber immerhin haben unsere Führer viermal im Jahr 805 Meter Autobahn gefegt.“ Clever!

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Bislang - und das verbindet mich mit Wiglaf Droste - war der Begriff „Mösenstövchen“ eines meiner erklärten Lieblingswörter. Eine Freundin verwendet es als Synonym für „Sitzheizung“.
Mösenstövchen - schön das.
Nun erfuhr ich, dass es bei Kühen eine kleine, fünfte Zitze geben kann, welche keine Milch gibt; diese nennt man „Marienzitze“. Fast noch schöner. Leider fällt mir kein sinnvoller Satz ein, in dem „Marienzitze“ und „Mösenstövchen“ vorkommen.

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In anderem Zusammenhang erörtert mir die Geliebte, dass sie es bei Männern generell stimulierend fände, wenn diese fast vergessene Tätigkeiten beherrschten, zum Beispiel: Melken.
Was man nicht alles erfährt.

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Komponiere sofort ein ultimatives Liebeslied: „Schatz, ich hol die Kuh vom Eis / und die melk ich dann für dich. / Der allerschönste Liebesbeweis / ist frisch gezapfte Milch.“ Herrgott, ist das blöd...

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Mir fällt die „Marienzitze“ wieder ein. Lasse den Gedanken aber fallen.

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Demütigung I: Da schaltet man mal einen Tag sein Handy aus, schon sind gleich zwei Anrufe vom SPIEGEL auf dem Band. Mit unverhohlener Freude, endlich Teil der Hochkultur zu sein, rufe ich an und werde gefragt, ob ich an einem Abo interessiert wäre.

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Demütigung II: Auf Facebook gibt es eine „Fangruppe Jess Jochimsen“ - bestehend aus drei Personen. Eine davon ist meine Mutter.

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Das war’s dann mit der Jugend. Ein Freund erzählt Folgendes: Im Kolleg in St. Blasien bat ein Lehrer einen Schüler, über das Haustelefon im Sekretariat anzurufen. Leider ohne Erfolg. Das Haustelefon dort ist nämliches ein altes mit Wählscheibe - und der Schüler hatte, erfolglos, auf die Nummern getippt.

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Lese von einer Hochzeit im Markgräfler Land. Seit Tagen wird die Ehefrau nach der obligatorischen Brautentführung festgehalten. Der Bräutigam weigert sich, das Lösegeld zu bezahlen. Die Zeiten werden rauher.

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Märklin und Schießer sind pleite. Das trifft meinen Onkel Alfred besonders hart. In doppelter Hinsicht. Trotzdem wird er weiterwerkeln, im Unterhemd an seiner geliebten Eisenbahn.
Demnächst nehme er „Stuttgart 21“ in Angriff. Sagt er. Frage mich, wie das gehen soll. Wie will er den Bahnhof bauen - unter der Pressspahn-Platte?

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Die Linke fordert auf einem Wahlplakat: „Mehr Reichtum für alle!“ Auf einem anderen Plakat wollen sie die Reichensteuer. Na toll. Erst machen sie dich reich und dann nehmen sie dir die Kohle wieder weg. Ist das Ausweg aus der Krise?

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Schöner Versprecher in den Radionachrichten: „...aus dem Fond sollen Banken unterstützt werden, die in Finanz geraten sind.“ Aua. Also wenn so eine Bank erstmal in Finanz gerät - dann ist aber Liechtenstein am Ersten!

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Am Nebentisch in der Kneipe sind zwei Männer in eine heftige Diskussion verstrickt. Der eine sagt nun schon das dritte Mal den Satz: „Ach, scheiß doch die Wand an!“ Stelle mir vor, der andere würde das einfach machen. Würde dem Gespräch eine andere Note geben.

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Mein Freund Jens findet am Eingang zu einem Wiener ALDI (der hier HOFER heißt) auf einer Werbetafel folgenden Satz: „Besuchen Sie auch unsere Tiefgarage.“ Humor kann gnadenlos sein.

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Gucke den SPD-Parteiparteitag in Dresden auf Phönix. Sigmar Gabriel und Andrea Nahles sprechen von „harten Zeiten“. Wehre mich gegen den dumpfen Gedanken, dass „harte Zeiten“ dem neuen Führungsduo optisch gut täten.

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Einer der Punks vor der Uni schnorrt mich an: „Hast du mir mal ein Päckchen Zigaretten?“ Chapeau.
Entschuldigend fügt er hinzu, dass die Geschäfte mies laufen und man sich was einfallen lassen müsse. Ich schlage ihm ein Schild vor, mit dem Spruch: „Keine Arbeit muss sich wieder lohnen.“

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Entgegen des erklärten letzten Willens verweigert die Berliner Friedhofsverwaltung einem verstorbenen Wirt die Anbringung eines Zapfhahns am Grabstein. Schade, die Idee hat was.

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Auf dem Zentralfriedhof gibt es einen Mann, der regelmäßig ans Grab seiner verstorbenen Frau kommt, um ihr mal so richtig die Meinung zu sagen. Im Leben sei er nicht dazu gekommen, sagt er, und es gehe ihm immer besser dann. Für die anderen Friedhofsbesucher ist es stets ein schönes Schauspiel.

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Alles ist verquer in meinem Kopf. Wie immer, wenn ich mich dem Wahnsinn nahe fühle, gehe ich auf die Homepage von Michael Stauffer, um zu sehen, dass es anderen noch viel schlimmer geht. Am 31.10. schreibt Michael in seinem Blog: „Ich habe gestern eine Hundebesitzerin gefragt, was sie am liebsten mit ihrem Hund machen würde, wenn es keine Tabus gäbe. Die Hundebesitzerin hat geantwortet: Ich würde am liebsten mit meinem Hund im Regen spazieren gehen und ihn dann, wenn er schön nass ist, mit Fisch einreiben.“
Es geht mir sofort besser.

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Den traurigsten Tag des Jahres verbringe ich in F. Und die Stadt ist nicht schuldlos an meiner Traurigkeit. In F. gibt es nichts.
Aber immerhin einen Fachhandel für Gothic-Accessoires: Dark-Wave-Zeug, schwarze Ledermäntel und so etwas. Suche nach etwas, das zu meiner Stimmung passt und werde fündig: Schwarzes Klopapier.

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Wenn man pubertierende Kinder hat, bekommt der Begriff „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ eine ganz neue Bedeutung.

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Ich habe einen Schulterklopfkoeffizienten von 5 zu Barack Obama.
Es gibt doch diese Theorie, dass man in durchschnittlich 7 Schritten einmal um die Welt kommt, jeder Mensch kennt jeden in 7 Schritten. (Ich kenne einen, der einen kennt, der...)
Barack Obama hat nach der Präsidentschaftswahl seinem Wahlhelfer Ellroy T. B. dankbar auf die Schulter geklopft, dieser klopfte - das war sogar im Fernsehen zu sehen - dem greisen Linguistik-Professor Robert H. auf die Schulter, warum auch immer. H. war in den 60ern Gastdozent in Hamburg und klopfte - nach dessen bestandener Zwischenprüfung - meinem Onkel Alfred - so wird es erzählt - lobend auf die Schulter. Und Onkel Alfred hat mir - zumindest einmal ist das zu beweisen - auf die Schulter geklopft. Ales er ein Fußballspiel anschaute, bei dem ich mitwirkte. „Das wird nichts mehr mit dir“, sagte er und klopfte mir tröstend auf die Schulter. Also habe ich einen Schulterklopfkoeffizienten von 5 zu Barack Obama - und das ist doch auch schon mal was.
Mit Madonna verbindet mich übrigens ein Cunnilingus-Koeffizient von 4 - aber das würde jetzt zu weit führen.

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Kurz nach dem Jahreswechsel beschließe ich, dass 2010 - trotz allem - ein gutes Jahr wird.

© 2010 jess jochimsen

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